Mittwoch, 30. März 2016

Meine fünfte Ayahuasca-Zeremonie: Words are nothing...

Ich bin wieder zurück in dieser Realität!

Ich habe auch diesmal gesehen, wie unzureichend Worte sind, wie unmöglich es ist, die Göttlichkeit, die unsere Quelle ist, in Worte zu fassen. Wie nichtssagend Worte sind. Und nun sitze ich doch wieder hier und versuche das Unmögliche.

Von dort, wo ich war, sah es eine "Zeit" lang so aus, als würde ich nicht mehr zurückkehren. Ich sah, wie alles in dieser Welt unwahr ist, alles außer der Liebe. Es erschien mir unmöglich, in die Welt zurückzukehren, da aus der Perspektive der reinen göttlichen Liebe heraus alles andere eigentlich gar nicht existiert. Ich sah Aspekte meines Lebens an mir vorbeiziehen und mich gezwungenermaßen von ihnen verabschieden. Das einzig Wahre in diesem Leben ist die Liebe, alles andere ist Illusion.

Dann hörte ich plötzlich die Stimme der Schamanin Hannah.
"Are you ok, Sandra?"
Ich öffnete die Augen und schaute sie an, wie aus weiter Ferne und wusste noch nicht, ob ich in dieser Realität würde bleiben können.

"This reality - why are we here? Why are you here?"

Ich weiß nicht mehr, was sie darauf antwortete.

Da war dieses starke Festhalten an diesem, meinem Leben und ich sagte:

"I would like to come into this reality."

"If you want to come back to this reality, sit straight and look to the altar and the candle of the mother goddess."

Das habe ich getan und kam nach und nach wieder zurück. Ich realisierte, dass ich mich selbst dazu entschieden hatte, hier herzukommen. Dass ich mir selbst dieses Leben geschenkt hatte. Ich fühlte mich dankbar und voller Liebe. Liebe für mich selbst und meinen Körper und einfach für alles. Für jedes einzelne Teilchen der Luft um mich herum. Ich konnte die heilige Geometrie überall im Raum sehen. Die Muster, aus denen diese Welt besteht. Sehen und spüren war irgendwie eins. Ich habe gesehen, dass wir eigentlich göttliche Wesen sind. Von der Erscheinung her so ähnlich wie eine leuchtende, goldene Kathedrale.



Ich war wie auf einer anderen Frequenzebene, auf der alles mit Liebe erfüllt ist. Ich spürte so eine tiefe Liebe für alle anderen Menschen. Ich lachte und weinte vor Glück.

Dann hörte ich die Schamanin singen und erkannte das Lied. Ich sang mit und meine Stimme war so klar und eins mit den heiligen geometrischen Mustern. Alles passte perfekt zusammen. Die Musik war heilig. Ich konnte die Muster sehen, die diese Musik erzeugte.

Dann stand ich irgendwann auf und wollte meinen Körper spüren und bewegen. Ich tanzte zu der Musik. Alles war leicht und voller Licht und Liebe.

Ich saß wieder auf meinem Platz und die Schamanin sang Icaros und ich hatte den Eindruck, dass das alles nur für mich veranstaltet wurde. Ich kotzte dann auch einige Male, aber ohne Übelkeit. Ich hatte den Eindruck, ich kotzte teils Altes aus mir selbst aus und teils irgendwelche negative Energien, die sich im Raum bewegten und durch mich hinauskamen.

Ich legte mich mitten im Raum auf den Boden und genoss das Gefühl, das jede Pore meines Körpers mit Licht und Liebe durchströmt war und alles frei fließen konnte. Mein Körper fühlte sich irgendwie saftig und lebendig an.

Dann tanzte ich und mein Körper bewegte sich in den göttlichen Formen, die die Musik vorgab, voller Leichtigkeit und Schönheit. Wie wunderbar ist Tanzen!

Ich spürte so eine tiefe Liebe für die anderen. Außer mir lagen oder saßen alle noch auf ihren Plätzen. Die meisten waren in irgendeinem Delirium und irgendetwas hinderte sie daran, in das Licht zu gehen. Die Schamanin und ihre Assistentin waren beschäftigt damit, die anderen von ihren Leiden zu heilen, sie von negativen Energien zu befreien. Ich schaute mich im Raum um und ging von einem zum anderen und schaute sie aus dieser Perspektive der bedingungslosen Liebe an. Ich verstand nicht, wieso ich in diesem Zustand der Liebe, des Lichts und des Glücks war und die anderen nicht. Ich empfand so ein tiefes Mitgefühl für sie. Ich weinte um sie und sandte ihnen Liebe. Ich glaube, sie konnten das spüren. Es war als wären wir in verschiedenen Dimensionen und ich grüßte sie aus der Ferne. Ich spürte immer den Drang, die Hände vorm Herzen zu falten und spürte die Liebe dann noch stärker.

Einmal hatte ich den Eindruck, der Raum sei ein Lazarett und ich sah und spürte, wie sie alle litten, und ich ging umher und wünschte Ihnen allen Liebe. Ich fühlte mich wie Mutter Theresa.

Diese scheinbare Trennung von den anderen machte mir ziemlich zu schaffen. Ich konnte nie lange im Zeremonie-Raum bleiben. Ging immer wieder raus, um all die erdrückenden Energien nicht zu spüren. Ich fühlte mich in der totalen Liebe und Glückseligkeit.

Doch eines fehlte mir: Ich wollte mich mit anderen Menschen verbinden und diese Liebe teilen. Die Assistentin der Schamanin ging zwei oder dreimal mit mir raus, in den Nebenraum, und so konnte ich mich mit ihr verbinden. Wir schauten uns nur an und ich konnte mich selbst in ihren Augen, in ihrem Gesicht sehen. Es war erst, als wollte ich ihr etwas sagen, aber es gab nichts zu sagen. Wir wussten einfach beide schon alles.  Sie spiegelte mich perfekt wider und ich spürte, dass ich auch sie bin und sie ich. Ich lachte und lachte vor Glück darüber, dass alles so einfach ist, dass alles schon gut ist und alles Liebe ist. Wir wussten dies beide und nickten uns nur an. Ich sagte irgendwann "Words cannot say this..." und sie machte eine geschwungene Geste mit der Hand: "Words are nothing", und wir lachten so herzlich.

Ich ging wieder in den Raum, um zu schauen, ob einer der anderen auch schon "aufgewacht" war, aber sie lagen alle noch in ihrem Prozess. Ich wünschte mir, dass sie alle geheilt werden würden.

Mit der Assistentin sprach ich darüber, dass eine meiner Intentionen für die Zeremonie die Frage war, ob ich eine Heilerin sei. Und nun war es mir so klar. Natürlich war ich eine. Denn ich wollte, dass alle anderen Menschen sich genauso heil fühlten wie ich jetzt und dass ich mich mit allen Menschen in Liebe verbinden kann. Denn nur dann bin auch ich ganz geheilt. Ich realisierte, dass ich mich nur mit Menschen verbinden konnte, die auch in ihrem Herzen angelangt waren. Und dass meine Einsamkeit im Leben daher kam, dass die meisten Verbindungen mit anderen Menschen zu oberflächlich waren. Die Verbindungen gingen nicht vom Herzen aus.

Ich fühlte mich in diesen Stunden vollkommen geheilt und es gab nur Liebe und Glück. Gleichzeitig dämmerte es mir jedoch von ganz weit entfernt, dass es im Leben nicht immer so war. Es musste noch Dinge in mir geben, die ich noch heilen musste.

Als ich einmal mit der Assistentin draußen war, wandte sie über meinem Kopf eine Technik an, deren Name mir leider entfallen ist. Jedenfalls konnte ich dann mein Leben wie ein Haus in mir sehen. Ein Haus mit vielen Stockwerken, irgendwie mit einem asiatischen, geschwungenem Dach, wie ein japanischer Tempel. Durch das Haus zog Rauch oder Dampf, von einem Fenster zum anderen. Fast überall konnte der Rauch frei fließen. Nur an manchen Stellen konnte ich sehen, gab es Verhärtungen, wie Stellen, an denen die Energie nicht frei fließen konnte.



Seit meiner ersten Zeremonie mit Ayahuasca ist es von mal zu mal einfacher geworden. Der Weg raus aus dieser Realität wird leichter und der Weg zurück auch. Vielleicht kommt irgendwann ein Punkt, wo der Übergang gar nicht mehr so markant ist. Alles Schwere und Negative wird immer weniger und was bleibt, ist nur noch die Leichtigkeit und Liebe.

Ich hatte in der ersten Phase diesmal keine oder kaum Visionen. Die vielen knallbunten und wunderschönen Farben und Muster haben mich in den ersten Zeremonien überwältigt. Ich fühle mich jetzt irgendwie geerdeter. Es geht bei den Zeremonien anscheinend immer weniger darum, in den göttlichen Dimensionen zu schwelgen und immer mehr darum, das Göttliche, die Liebe und die Heilung in dieses Leben, in diesen Körper zu bringen.

Da ich zu Beginn der Zeremonie noch etwas Angst hatte, bat ich Hannah darum, zu schauen, ob ich irgendwelche negativen Entitäten hätte. Sie kam dann irgendwann zu mir und "schaute" nach. Aber sie konnte nichts wahrnehmen. Sie hatte ihre Hand auf meinen Bauch gelegt und schaute mich an und sagt "You don't have any entities, there is nothing to worry about." Irgendwie beruhigte mich das sehr und ließ mich entspannter werden.

Angst

Ich habe diesmal auch wieder etwas Wichtiges über "meine" Angst gelernt. Ich hatte lange Zeit Angst vor Ayahuasca. Es ist eigentlich total absurd! Denn Ayahuasca ist nichts als reine Liebe.

Ich weiß jetzt, dass die Angst nur eine Illusion meines Verstandes war. Wie manche wissen, gibt es in dieser Welt noch etwas, das uns davon abhalten will, ins Licht und in unsere göttliche Kraft zu gehen. Diese Angst ist Teil davon. Sie ist nicht Teil von mir, sondern nur eine trügerische Illusion, die mich versucht hat zu blockieren (leider erfolgreich). Der Verstand ist ein wichtiges Werkzeug, um in dieser Welt zu bestehen und zu funktionieren. Aber wir sind nicht dieser Verstand. Leider identifizieren wir uns nur allzu oft mit ihm und meinen wir seien dieser Verstand. Aber dies ist eine große Täuschung. Wir sind unendlich viel mehr als der Verstand. Das, was wir wirklich sind, lässt sich erahnen, wenn wir in unser Herz reinspüren, insofern wir mit ihm verbunden sind. Um es tatsächlich zu erfahren, ist Ayahuasca ein sehr guter Weg.


Der Tag danach

Bei Hannah Klautz finden die Zeremonien tagsüber statt. Ich habe die Nacht dann im Zeremonie-Raum verbracht, konnte aber kaum schlafen. Ich hatte zum Glück meinen iPod mit wunderschöner Musik dabei. So habe ich nachts noch viel getanzt und (leise) gesungen und die Nachwirkungen genossen.

Am nächsten Tag bin ich dann zu meiner Familie gefahren, um Ostern zu feiern. Ich spürte an diesem Tag die Liebe meiner Familie stärker als sonst. Es war so schön und es rührte mich zu Tränen, mit ihnen am Tisch zu sitzen und ihre Liebe zu spüren. Am Abend saß ich mit meiner Mutter alleine im Wohnzimmer. Wir umarmten uns und ich konnte ihre Liebe spüren wie seit sehr sehr langer Zeit nicht. Ich weinte und hörte für mehrere Stunden nicht mehr damit auf. Ich spürte all den Schmerz in mir, all die Verletzungen, die daher rührten, dass ich mich nicht mehr in Liebe verbunden gefühlt hatte. Jetzt konnten diesen kleinen Wunden in der Anwesenheit der Liebe heilen. Sie ist immer für mich da, liebt mich völlig bedingungslos. Sie hielt mich so lange im Arm, wie ich es brauchte - egal wie lange. Ich habe früher manchmal daran gezweifelt, aber, es ist tatsächlich diese unsichtbare Liebe, die unsere Familie zusammenhält.

In der Nacht darauf hatte ich sehr intensive Träume und war wieder im Ayahuasca. Ich sah, dass Innen und Außen dasselbe ist. Wenn ich etwas im Außen heile, heile ich etwas im Innen und umgekehrt. Und auch, dass ALLES heilbar ist. Jeder Störfaktor im Außen kann im Innen geheilt werden.



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