Montag, 7. März 2016

Angst und wie man sie "überwindet"

Die meisten Menschen haben vor irgendetwas Angst. Oft sind uns unsere größten Ängste aber gar nicht so bewusst. Solange wir sie uns nicht bewusst machen, agieren sie als unbewusste Blockaden in uns. Sie halten uns so davon ab, unseren Herzensweg zu spüren und zu gehen.

Ich selbst habe mir lange eingebildet, ich hätte vor gar nichts Angst. Ich hielt mich für stark und mutig, und Ängste sogar für ein bisschen lächerlich.

Abgesehen von "Platzangst" als Kind habe ich die bislang größte Angst meines Lebens erlebt, als ich Ayahuasca genommen habe. Diese existenzielle, panische Angst vor der Ich-Auflösung, vor dem Ego-Tod, die viele kennen, die Erfahrung mit DMT haben. Die Angst vor dem völlig Unbekannten, vor dem Unbeschreiblichen, vor dem, was so gar nichts mehr mit dieser Realität zu tun hat.
Diese Angst lähmte mich. Ich habe sie in bislang jeder Zeremonie mit Ayahuasca erlebt. Beim ersten Mal hatte ich vorher natürlich noch keine Angst, da ich ja nicht wusste, was kam. Aber danach war es so, ich musste nur an Ayahuasca denken und es überkam mich diese panische Angst.

Noch bis vor kurzem kam mir die Angst unüberwindbar vor. Doch nun weiß ich, wie ich mit ihr umzugehen habe.

Es geht darum, in die Angst hineinzufühlen, oder anders gesagt: Sie zuzulassen. Der Schlüssel dazu ist, dass man in seine Mitte kommt und ein starkes Körpergefühl entwickelt.

Früher war ich sehr ungeerdet. Ich fühlte mich nicht stark genug, der Angst Stand zu halten. Sie schien mich vom Boden zu reißen und mein Ich wie auseinanderzureißen, sie zog mich aus meinen Körper und hinein ins Nichts. Doch nun habe ich verstanden, dass diese Angst "einfach nur" gefühlt werden will und nichts Schlimmes passiert, wenn ich dies tue. Ich sterbe nicht an der Angst! Das Schlimmste ist eigentlich die Angst vor der Angst. Denn diese hält einen davon ab, die Angst zu spüren und so zu transformieren.

Ich fühle mich jetzt ausreichend geerdet und in meinem Körper, um in diese Angst hineinzugehen, dh. in sie reinzufühlen, mich ihr hinzugeben. Ich weiß, wo sie sitzt, nämlich im unteren Bauchbereich, bzw. davon ausgehend. Und, wenn ich das schaffe, sie in ihrer vollen Größe wahrzunehmen, kann sie mir nichts mehr anhaben. Und dann kann ich sie transformieren. "Überwinden" ist ein bisschen das falsche Wort. Denn überwinden klingt wie drüberspringen. Das kann man auch, aber daraus geht keine Transformation hervor.

Ich habe bald wieder eine Ayahuasca-Zeremonie und bin sehr gespannt darauf, wie ich diesmal mit dieser Angst umgehen werde.

Auch im Alltag übe ich mich nun darin. Immer wieder tauchen kleine Ängste auf. Früher habe ich sie meist verdrängt und dieses Ziehen im Bauch ignoriert. Jetzt nehme ich mir Zeit und fühle in mich hinein. Was will mein Körper mir da gerade mitteilen? Warum fühlt sich dies und jenes gerade so komisch an? Dies ist auch eine wunderbare Praxis, um mich immer wieder ins Jetzt zu bringen und im Moment voll und ganz präsent zu sein.

Nur wenn ich mich mit uneingeschränkter Aufmerksamkeit meinen "negativen" Bauch- und Herzgefühlen widme, erschaffe ich auch die Fähigkeit, die schönen Gefühle in Hülle und Fülle zu empfinden.

Glück auf 

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